humanistisch

Negative0-28-28(1)Immer schneller und schlauer sollen sie sein – die Kinder und Jugendlichen – und sollen dies auch in diversen Lernstandserhebungen und sonstigen Schulleistungstests beweisen. Und dieses gilt auch für in inklusiven Klassen unterrichtete Schüler/innen. Auf der Suche nach den Ursachen stoßen wir auf die systemischen und psychosozialen Grundlagen eines an Effektivitäts- und Effizienzerwägungen ausgerichteten Gesellschafts- und somit auch Bildungssystems.

Dieses geht nicht spurlos an den Schüler/innen und deren Lehrpersonen vorbei: Verhaltens- und Lernprobleme, erhöhte Stressempfindung, wachsender Psychopharmaka-Konsum (ADHS!), gesteigerte Auftrittswahrscheinlichkeit von Burnout, Depression, Essstörungen und selbstverletzendem Verhalten – der Diskurs über psychosoziale Probleme in deutschen Schulen ist vielfältig. Und gerade die gesteigerten Depressions- und Burnout-Raten betreffen Schüler/innen und Lehrer/innen gleichermaßen.

Wie fremd kommen angesichts all dessen die uralten Geheimnisse humanistischen Denkens daher: Menschen wollen wachsen. Und das ein Leben lang. Menschen sind lebensbejahende und schöpferische Individuen, die ihr inneres geistiges und kreatives Potential entfalten und als seelisch gesunde, ganzheitlich entwickelte Persönlichkeiten sich selbst verwirklichen.

Zugegeben, angesichts unserer überhitzten Moderne klingt das schräg. Aber von Cicero zu Seneca über Erasmus von Rotterdam, Philipp Melanchton hin zu Abraham Maslow, Carl Rogers und Erich Fromm: Humanistische Gedanken prägten geistige Schulen und Epochen durch die Jahrtausende. Und bei aller Verschiedenheit der humanistischen Disziplinen und Ideen stoßen wir immer wieder auf den zentralen Gedanken: Die Betonung des positiven Potenzials des Menschen. Menschen haben das starke Bedürfnis, ihr volles Potenzial zu entfalten um die Ebene der Selbsterfüllung zu erreichen. Das Streben nach seelisch gesunder Selbsterfüllung, welches eine „konstruktive, lenkende Kraft (ist), die jeden Menschen zu generell positiven Verhaltensweisen und einem Wachstum des Selbst hinführt“ (Zimbardo, S. 533).

Jahrzehnte lang waren diese humanistischen Gedanken in Pädagogik und Psychologie vergessen – ja, man könnte freilich auch sagen verpönt, weil zu „menschelnd“ und zu wenig „evidenzbasiert“. Nun aber können sich Humanisten bekräftigt fühlen, und zwar durch die empirischen Forschungsbefunde der Positiven Psychologie. Diese sucht seit einigen Jahren intensiv nach dem, was Menschen stärkt, sie gesund und wirksam erhält. Es geht dabei um das »Aufblühen« (flourish) von Mensch und Organisation. Gemeint ist das kognitive, emotionale und psychosoziale Aufblühen – das ganzheitliche Wachstum des Menschen. Damit wendet sich die Positive Psychologie ab von der alten Defizitorientierung der klinischen Psychologie hin zu einem frischen Blick auf alles, was evidenzbasiert das Wohlbefinden von Menschen stärkt.

Literatur

  • Brohm, Michaela/Endres, Wolfgang (2015): Positive Psychologie in der Schule. Weinheim/Basel, BELTZ
  • Brohm, Michaela (2009): Sozialkompetenz und Schule. Theoretische Grundlagen und empirische Befunde zu Gelingensbedingungen sozialbezogener Interventionen. Weinheim/München, Juventa

Meisterwerker®